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29.05.2011

Die Rheinische Welt per Schiff
[Quelle: Regionale 2010]

Nach den letztjährigen Streckenabschnitten Köln-Hitdorf und Köln-Bonn bereisten über 1000 Besucher den dritten Streckenabschnitt der neuen RheinReise mit Martin Stankowski und Gästen.

Die letzte Etappe der Rheinreise im Rahmen der Rheinischen Welt-Ausstellung führte auf der an allen drei Tagen voll besetzten MS Rheinprinzessin von Bonn zum romantischen Rhein und wieder zurück. Und hier wurde es zur wirklichen Herausforderung angesichts der Vielzahl von Ereignissen, Bauten, Persönlichkeiten und Landschaften, die richtige Mischung zu finden.


Martin Stankowski behielt jedoch die Übersicht und hatte zu fast jedem kleinen Streckenabschnitt wieder eine seiner Anekdoten parat, die wie immer nicht nur das Gesehene, sondern auch die Personen dahinter im Blick haben. So wird sich sicherlich kaum ein Bonner an den Namensgeber des Spiritusufers erinnern – den früheren Oberbürgermeister Wilhelm Spiritus, dem Erbauer der ersten Rheinbrücke und einen echten Verwaltungsreformer laut Stankowski. Denn Spiritus hatte es geschafft, einen Bauantrag schon nach 5 Tagen zu genehmigen – allerdings hat das wohl nur bei seiner eigenen Villa funktioniert!


Auch die zahlreichen anderen Villen am Rheinufer, oftmals erbaut von reichen Kölner Kaufleuten, fanden Erwähnung. Die oftmals mehr oder weniger gelungenen Ritterburgen-Imitate sind dabei sicherlich sowohl der besonderen Huldigung der Rheinromantik als auch der Zurschaustellung der Bedeutung des Bürgertums geschuldet. Übrigens haben sich schon viele hundert Jahre zuvor Kölner in Bonn aufgehalten. Damals eher unromantisch im Gefängnisturm der Godesburg.


Entlang des Bonner Ufers musste die Baustelle des World Conference Center natürlich als Paradebeispiel für „Murphy´s  Gesetz“ herhalten. Immerhin liegt es nicht weit der lobend erwähnten echten Rheinpromenade der Bonner, die im Süden nahe dem Rheinhotel Dreesen endet. Ein häufiger Gast des Hauses, Adolf Hitler, soll dort Godesberg als „Pforte zur Schönheit“ bezeichnet haben. Dazu passt dann auch die bei Unkel erzählte kleine Geschichte von Attilas Sohn, der damals schon das Rheinland wegen seiner Schönheit gepriesen haben soll – da waren seine Horden allerdings schon in Westfalen!


In der langen Reihe der erwähnten Vertreter der Rheinromantik sucht man diese beiden Herren allerdings und zu Recht vergebens und man braucht auch kein Experte zu sein, um die beiden menschlichen Begleiter des „Hundes von Oberkassel“ ebenfalls aus dieser Gruppe auszuschließen. Immerhin waren die ersten Rheinländer wie viele nach ihnen Einwanderer – er aus der Ukraine, sie aus Portugal. - Soweit die Theorie von Martin Stankowski.


Doch nicht nur vom „Hund von Oberkassel“ wusste Prof. Dr. Horn, dem ehemaligen Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Rheinland und in Nordrhein-Westfalen und Regionale 2010-Fachberater für den Bereich "Kulturelles Erbe", zu berichten sondern auch Spannendes und Interessantes rund um das Kloster Heisterbach mit seiner beeindruckenden Chorruine und weitere archäologischer Hintergründe.


Im Gespräch mit Elmar Scheuren vom Siebengebirgsmuseum ging es dann auch mal etwas unromantischer zu. Einblicke in den „Rheinischen Separatismus“ und die damit verbundene sog. „Schlacht im Siebengebirge“ geben ganz andere Einblicke in die chaotischen Zeiten nach dem ersten Weltkrieg.


Konrad Adenauer, Enkel des namensgleichen und wohl bekanntesten Rheinländers gewährte einige Blicke in das Familienleben mit seinem Opa und auch der Erfinder Adenauer durfte nicht unerwähnt bleiben: „zwischen 18 und 19 Uhr ist der Herr Oberbürgermeister nicht zu sprechen, da erfindet er“. Trotz seiner geschichtlichen Leistungen teilt der „Alte“ hier allerdings das Schicksal der meisten Erfinder.


Ein weiterer Gesprächsgast an Bord war Felix Pieper, einer der letzten drei hauptamtlichen Winzer vom Drachenfels, der Eindrücke in die mühsame Bewirtschaftung der steilen Berghänge geben konnte.


Kurz vor der Rückkehr nach Bonn gab es noch Geschichtsunterricht in Sachen Hauptstadt, denn Bonn hatte diesen Titel schon dreimal – nach der Schlacht bei Worringen, als Residenz der Kurfürsten und als Bundeshauptstadt. Fast wäre Bonn auch nach dem Wiener Kongress diese Ehre zuteil geworden. Der Plan war, die Sachsen an den Rhein umzusiedeln und Bonn als deren Hauptstadt einzurichten. Aber das ist ja noch mal gut gegangen.


Nachdem insgesamt bereits rund 3500 Besucher die RheinReise miterleben wollten, sollen nun Anfang September 2011 alle 3 Etappen zwischen Hitdorf und Bad Honnef an drei aufeinander folgenden Tagen wiederholt werden. Informationen hierzu in Kürze auf den Internetseiten der Thomas-Morus-Akademie und von Martin Stankowski.


Weitere Informationen zu allen besuchten Projekten finden Sie auf Regionale 2010.


Bilder: Ute Prang

Martin Stankowski

Der Petersberg

Sicht auf die Altstadt Königswinter mit Schloss Drachenburg und dem Drachenfels

Martin Stankowski und Elmar Scheuren (rechts)

Altstadt Königswinter

Drachenfels

Schloss Drachenburg

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