05.09.2010
Nicht alle Wege führten nach Rom
[Quelle: Regionale 2010]
Seit dem Bau der Römerstraßen hat sich natürlich einiges geändert, aber bis zum 19. Jahrhundert hat es gedauert bis wieder mit einer solchen Qualität bebaut wurde. Die Trassen sind allerdings bis heute im Gebrauch, so die Luxemburger Straße in Köln. Man muss schon Fachmann sein, um im Moment die alten Trassen zu entdecken und so waren die Teilnehmer der Radtour entlang der alten Agrippa-Straße froh, mit Prof. Hans-Günter Horn einen ausgewiesenen Experten dabei zu haben. Der ehemals oberste Archäologe des Landes Nordrhein-Westfalen erläuterte nicht nur die Grundzüge des römischen Straßenbaus sondern auch die Vielzahl der Maßnahmen, die entlang der Strecke künftig das römische Leben sichtbar machen werden. Denn wie heute, sind die Straßen nicht nur Verbindungen zwischen A und B sondern auch Ausdruck einer Kultur und so wird es auch links und rechts neben der Straße künftig einiges zu entdecken geben.
Die Agrippa-Straße von Köln nach Lyon war nur ein Teil des über 100.000 km umfassenden Netzes des römischen Reiches über das Waren, Truppen, Botschaften und kulturelle Neuerungen transportiert wurden - in Friedenszeiten waren sie auch Beschäftigungsmaßnahme für die Soldaten, die "nebenberuflich" daher auch Straßenbauer waren, diese pflegten und bewachten.
Solch eine Römerstraße konnte durch die Anlage von beidseitigen Entwässerungsgräben und Reitwegen gute 25 Meter breit werden. In den Städten lag unter den Straßen zudem ein Entwässerungssystem, das heutigen Ansprüchen kaum nachstand. Die römischen Straßen waren somit auch ein Zeichen der Macht oder der Beherrschung der Natur und da darf es dann nicht erstaunen, dass auch die Etappen und Zielorte diese Macht widerspiegelten - durch eindrucksvolle Befestigungsanlagen oder durch luxuriöse Badeanstalten, deren Technik bis heute verblüfft. Beides kann in Zülpich besichtigt werden und vermittelt einen Eindruck von den Leistungen römischer Ingenieure und von der Kultur der damaligen Gesellschaft. Nach Abzug der Römer wurden die Straßen weiter genutzt und so haben die Orte an ihrer Trasse und besonders an Knotenpunkten zu anderen, z.B. mittelalterlichen Straßen (z.B. viele Orte im Rhein-Erft-Kreis oder Zülpich), ein großes geschichtliches Potential, was größtenteils noch auf seine Entdeckung wartet. Die Teilnehmer der Radtour von Erftstadt nach Zülpich waren jedenfalls begeistert über so viel Geschichte vor der eigenen Haustür.
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