23.10.2017

25 Jahre Region Köln/Bonn e.V.: Fachexkursion diskutiert Hafenentwicklung

Fachexkursion nach Rotterdam diskutiert Hafenentwicklung

Der Region Köln/Bonn e.V. hat sich heute mit Experten seiner Mitglieder auf Jubiläums-Fachexkursion nach Rotterdam begeben. Im Fokus stehen dort heute die Hafenentwicklung, die große Auswirkungen auf die Güter- und Warenströme durch und in unsere Region hat, sowie die Organisations- und Projektdimensionen der Metropolregion Rotterdam-Den Haag. Die Entwicklungen der großen Seehäfen, innovative Verkehrslösungen, Kompetenzen im Wasserbau und in der Agrarwirtschaft sowie die herausragende Position für die europäischen Warenströme machen die Niederlande zu einem interessanten Exkursionsziel. 

Die Exkursionsteilnehmer*innen tauschten sich mit Vertretern der „Metropolregion Rotterdam-Den Haag“ zu aktuellen Themen aus. Bei einer Hafenrundfahrt erhielten sie einen Eindruck der riesigen Hafenanlagen Rotterdams. Im Anschluss daran informierten sie sich in der Innenstadt Rotterdams über die laufende und geplante Hafenentwicklung und den damit verbundenen Herausforderungen für das Hinterland, wie auch für die Region Köln/Bonn.

Während der Bus- wie auch der Schifffahrt erläuterten Referenten Details zur Infrastrukturentwicklung und zu innovativen Verkehrs- und Lärmschutzprojekten.

Im Jubiläumsjahr hatte sich der Vorstand dazu entschlossen zwei Jubiläums-Fachexkursionen anzubieten, die eine thematische Verwandtschaft zu den Arbeitsfeldern des Region Köln/Bonn e.V. aufweisen.
Die Erste führte im Sommer ins Münsterland. Hier ging es thematisch um die Wirkungen des Strukturprogramms Regionale 2016, um die StadtUmland.NRW-Kooperation der Stadtregion Münster sowie die Zukunftsperspektiven unserer Schwesterorganisation Münsterland e.V.

Metropolregion Rotterdam-Den Haag – Zwischen Konkurrenz und Kooperation
Die Metropolregion Rotterdam-Den Haag (kurz: MRDH) stellt eine freiwillige Kooperation zwischen Rotterdam, Den Haag und 21 weiteren Kommunen dar. Gegründet 2014 mit dem vorrangigen Ziel einer intensiveren Vernetzung der Städte, sollen wirtschaftliche Attraktivität und Geschäftsklima gestärkt werden. Um diese Ziele zu erreichen, wurde unter anderem die Roadmap Next Economy erstellt (2016). Die Strategie und der Maßnahmenkatalog der Roadmap benennen fünf Pfade die unmittelbar entwickelt werden sollen, um die Wirtschaft in der Region zu gestalten:

  • Smart Digital Delta (digitale Wirtschaft)
  • Smart Energy Delta (regionale Energiewende)
  • Circular Economy (Kreislaufwirtschaft)
  • Entrepreneurial Region (Unterstützung für Innovation in der Wirtschaft)
  • Next Society (zukünftige Gesellschaft)

Ferner werden Herausforderungen im Transport- und Verkehrsnetz thematisiert. Die MRDH hat den Status einer regionalen Verkehrsregion und besitzt gesetzliche Zuständigkeiten im Bereich Verkehr und Transport. Sie ist Auftraggeber für den regionalen und städtischen ÖPNV und verleiht den Verkehrsverbünden die damit zusammenhängenden Konzessionen. Daneben verteilt die MRHD Fördergelder für Verkehrs- und Transportprojekte.

Der Hafen Rotterdam – Das Tor zum europäischen Markt
Der Rotterdamer Hafen ist mit 80 Terminals, 3.000 Unternehmen, 180.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen und einem Mehrwert von rund 21 Milliarden Euro (3,5 % des Bruttonationaleinkommens) ein wirtschaftlicher Hotspot der  Niederlande und somit Europas. Jährlich laufen 30.000 Seeschiffe und 110.000 Binnenschiffe den größten Hafen Europas an, der damit zu Recht als Tor zum europäischen Markt gilt.

Gemeinsam mit vielen Partnern entwickelt der Hafenbetrieb Rotterdam das Hafengebiet. Ziel ist es, den Hafen- und Industriekomplex effizient, sicher und flexibel zu gestalten. Verkehrsströme und Unternehmensniederlassungen werden im Einklang mit der Umgebung eingerichtet. Der verfügbare Raum wird optimal genutzt. Ein herausragendes Beispiel für eine innovative und nachhaltige Entwicklung im Hafengebiet stellt die Maasvlakte 2 dar. 

Das neue Hafen- und Industriegebiet soll der nachhaltigste und innovativste Hafen der Welt werden. Kein unrealistisches Streben für einen Hafen, der buchstäblich aus dem Meer erschaffen wurde, und in dem Nachhaltigkeit und Innovation in jede Komponente integriert werden. Die Containerterminals auf der Maasvlakte 2 sind die modernsten und fortschrittlichsten der ganzen Welt. Die Terminals werden vollständig elektrisch betrieben, von den Automated Guided Vehicles (AGVs) bis hin zu den Kaikranen. Das Terminal von APM Terminals arbeitet ausschließlich mit Energie, die von Windturbinen erzeugt wird. Beim Rotterdam World Gateway sind die Gebäude mit Wärme- und Kältespeichern ausgestattet. Auch an den Anschluss an die Betuweroute wurde gedacht. Die Terminals sind ausgerichtet auf die Verteilung des Hinterlandtransports auf die nachhaltigsten Transportmittel. Eines davon ist die Binnenschifffahrt. Die neuen Terminals sind die ersten, die über einen Kai verfügen, der speziell für Binnenschiffe eingerichtet wurde. 

Innerhalb des Hafen- und Industriekomplexes ist der Hafenbetrieb Rotterdam für die Entwicklung und Verbesserung der Verkehrsträger Binnenschifffahrt, Schiene, Straße und Rohrleitungen verantwortlich. Der Hafenbetrieb arbeitet kontinuierlich an infrastrukturellen Verbesserungen und kooperiert mit den Unternehmen, die beim Hinterlandtransport der Güter eine Rolle spielen. Von Rotterdam aus werden die meisten Container mit dem Lkw an ihren Bestimmungsort gebracht. Das führt zu einem hohen Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen in der Umgebung von Rotterdam, über die angrenzenden Regionen bis hin ins benachbarte Ausland. Darüber hinaus belasten die Emissionen der Lkw die Luftqualität. Folglich hat der Hafenbetrieb zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, um mehr Container über den Schienenweg oder die Wasserstraße zu transportieren. Die Güterverlagerung von Lkw auf Züge und Binnenschiffe heißt Modal Shift. Unternehmen, die sich auf der Maasvlakte 2 niederlassen, verpflichten sich, diesen auferlegten Ansatz mitzutragen.