Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiter denken
Drei Tage waren Köln und die Region Austragungsort des bundesweiten Austauschs zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung. Auf Einladung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, der Bauministerkonferenz der Länder, des Deutschen Städtetags und des Deutschen Städte- und Gemeindebunds kamen vom 14. bis 16. September 2026 Fachleute, Vertreter*innen aus Kommunen, Ländern, Bund, Wissenschaft und Praxis beim 19. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Köln zusammen.
Unter dem Leitmotiv „Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiter denken: Städte für alle gestalten“ ging es beim diesjährigen Bundekongress um Herausforderungen der Stadtentwicklung und vor allem um die Frage, wie Transformation vor Ort gemeinsam schneller umgesetzt werden kann. Der Region Köln/Bonn e.V. war zusammen mit der Stadt Köln Kooperationspartner des Kongresses und brachte mit dem Agglomerationsprogramm der Region Köln/Bonn sowie weiteren regionalen Strategien, Projekten und Kooperationsansätzen die eigene, regionale Perspektive in das Programm ein.
Netzwerkabend am Rhein
Den Beginn des Bundeskongresses bildete am 14. September der gemeinsame Netzwerkabend des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Region Köln/Bonn e.V. in den Rheinterrassen in Köln. Rund 650 Gäste hatten sich zum informellen Auftakt angemeldet, der Raum für Begegnung, Austausch und neue Kontakte bot. Begrüßt wurden die Gäste unter anderem von Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Region Köln/Bonn e.V.

Im Mittelpunkt des Abends stand neben dem persönlichen Austausch auch die Vorstellung unterschiedlicher Projekte der Stadtentwicklung. Mit der Parkstadt Süd wurde auch ein bedeutendes Kölner Stadtentwicklungsprojekt und Zukunftsprojekt im Agglomerationsprogramm der Region Köln/Bonn durch Andree Haack, Beigeordneter der Stadt Köln, vorgestellt. Weitere Impulse widmeten sich der Stärkung demokratischer Zivilgesellschaft in der Peripherie sowie der Bedeutung gemeinsamer Zukunftsbilder für lokale Bündnisse.
Der Netzwerkabend unterstrich damit bereits eine wichtige Leitlinie, die auch in den folgenden zwei Kongresstagen von zentraler Bedeutung war: Zukunftsfähige Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe, die über kommunale und fachliche Grenzen hinweg gedacht und umgesetzt werden muss.

Kongresseröffnung und Fachforen
Am Dienstag wurde der Kongress im Palladium in Köln-Mülheim offiziell eröffnet. Bundesbauministerin Verena Hubertz und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester begrüßten die rund 1.100 Teilnehmenden. Beim anschließenden gemeinsamen Rundgang über den „Marktplatz“, an dem auch Sebastian Schuster, Landrat des Rhein-Sieg-Kreises und Vorstandsvorsitzender des Region Köln/Bonn e.V., teilnahm, präsentierten zahlreiche Akteur*innen ihre Arbeit und Ansätze zur Stadtentwicklung. Auch der Region Köln/Bonn e.V. war mit einem eigenen Stand vertreten und stellte dort das Agglomerationsprogramm sowie vorbildhafte Projekte der Stadt- und Regionalentwicklung vor.

Abgerundet wurde der erste Kongresstag durch zahlreiche Impulse, Diskussionen und insgesamt 18 Fachforen, die sich unter anderem den Themen bezahlbares Wohnen, Klimawandelanpassung, kommunale Wärmeplanung, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung und resiliente Quartiere widmeten.


Zukunftsarenen bringen den Kongress in die Region
Am Mittwoch führte der Bundeskongress die Teilnehmenden im Rahmen der Zukunftsarenen und als Beispiele gelebter Praxis an verschiedene Orte in Köln und der Region. Einer dieser Orte war das Zanders-Areal in Bergisch Gladbach. Die ehemalige Papierfabrik ist mit einer Fläche von rund 36 Hektar eines der größten Konversionsprojekte der Region Köln/Bonn und zugleich Zukunftsprojekt der Programmlinie „Siedlung nachhaltig & ressourcenschonend entwickeln, Flächen sparen“ im Agglomerationsprogramm der Region Köln/Bonn. Auf dem ehemaligen Industriegelände entsteht in den nächsten Jahren ein zukunftsweisendes, neues gemischt genutztes Quartier mit Wohnen, Gewerbe, Bildung, Kultur und Freiräumen. Dabei soll ein Großteil der Bestandsgebäude erhalten bzw. sollen deren Materialien nach Möglichkeit wiederverwendet werden. Somit ein idealer Standort für die Zukunftsarena „Kreisläufe des Bauens in der Praxis – Umsetzungsangebote für Kommunen“ die vom Baukultur Nordrhein-Westfalen e.V. gemeinsam mit dem Bundesbauministerium organisiert wurde und sich der Ausschreibung von Rückbauprojekten, der Zertifizierung wiederverwendeter Bauteile sowie dem Aufbau von Materialkreisläufen widmete. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in das Areal und konnten die Herausforderungen und Potenziale einer großmaßstäblichen Transformation unmittelbar nachvollziehen.
Auch der Region Köln/Bonn e.V. veranstaltete am zweiten Kongresstag eine Zukunftsarena: Unter dem Titel „Zukunft durch regionale Kooperation: Maßstäbe, Formate, Inhalte“ widmete sie sich der Frage, welchen Stellenwert interkommunale und regionale Kooperation angesichts immer komplexerer Transformationsaufgaben hat und wie sie zukunftsfähig gestaltet werden kann. Die Diskussion der 150 Teilnehmenden setzte zunächst bei den Herausforderungen an, denen sich viele Kommunen und Regionen gegenübersehen.

Wohnungsdruck und Flächenkonkurrenzen, Infrastrukturumbau und Mobilitätswende, Strukturwandel, Klimawandelanpassung, Energie- und Wärmewende: die Vielfältigkeit und Komplexität der Transformation von Raum und Wirtschaft in Stadtregionen überschreiten kommunale Grenzen und lassen sich zusehends nicht mehr innerhalb einzelner Zuständigkeiten bewältigen. In der Praxis zeigt sich, dass neben geeigneten Bearbeitungsmaßstäben zur Bewältigung der Aufgaben auch passgenaue Kooperations- und neue Governance-Strukturen erforderlich sind, wodurch sich nicht zuletzt Synergien und Effizienzgewinne erreichen lassen.

Im abschließenden Panel des Bundeskongresses kamen mit Sören Bartel (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen), Daniel Sieveke (Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen), Bernd Düsterdiek (Deutscher Städte- und Gemeindebund), Dr. Timo Munzinger (Deutscher Städtetag) und Andree Haack (Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln) verschiedene Perspektiven aus Bund, Land und Kommunen zusammen. Gemeinsam diskutierte man über notwendige Entwicklungen und Instrumente, die es brauche, um die vielfältigen Entwicklungs- und Umbauaufgaben auf kommunaler Ebene effizient und zügiger umsetzen zu können – von der Großstadt bis hin zur kreisangehörigen Gemeinde im eher ländlich geprägten Raum. Zentrale Erkenntnis war, dass Entbürokratisierung, Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen – wie sie mit dem Bauturbo, der geplanten Novelle des Baugesetzbuches oder auch der Digitalisierung verfolgt werden – helfen, der Vielfalt und Dynamik der Transformationsaufgaben zu begegnen. Seitens der kommunalen Vertreter wurde aber auch deutlich gemacht, dass die kommunale Finanzlage und das Missverhältnis von Aufgaben und Finanzausstattung weiterhin ein wesentliches, sich potenziell verschärfendes Hemmnis bei der Bewältigung der vielzähligen und vielfältigen Aufgaben einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung darstellen.
Für den Region Köln/Bonn e.V. bot der Bundeskongress und die Arena die Möglichkeit, die Erfahrungen aus der regionalen Zusammenarbeit und aus der Arbeit im Agglomerationsprogramm, einem überregionalen Fachpublikum zu vermitteln. Die Arbeit des Vereins ist dabei auf großes Interesse gestoßen und es konnte im Rahmen vielzähliger Gespräche bestehende Vernetzungen ausgebaut und neue Kontakt geknüpft werden.
Der 20. Bundeskongress für Nationale Stadtentwicklungspolitik findet am 15. und 16. September 2027 in Chemnitz statt.